Wie gehe ich mit Eltern und Angehörigen in emotional belastenden Situationen um? Wie schütze ich mich vor übermäßigen psychischen Belastungen?
In unserem beruflichen Alltag werden wir immer wieder mit Situationen konfrontiert, in denen wir uns mit akuten Krisensituationen wie dem plötzlichen Tod oder einer akuten schweren oder chronischen Erkrankung oder bleibenden Behinderung unserer Patienten auseinandersetzen müssen.
Dies führt zu einer außerordentlichen psychischen Belastung sowohl bei den Eltern der betroffenen Kinder, als auch beim behandelnden Personal. Insbesondere durch die Arbeit des pädiatrischen Intensivnetzwerkes zeigt sich, welch hoher Bedarf an Unterstützung in diesen Situationen besteht. Durch den Mangel an Trauma-Psychologen oder weiteren beratenden Einrichtungen kann dieser aber nicht gedeckt werden.
Um Eltern und Familien schwer erkrankter, verletzter sowie verstorbener Kinder aber auch die behandelnden Teams in dieser schweren Situation sowie über den Zeitraum des Klinikaufenthaltes hinaus professionell psychologisch und sozial begleiten und unterstützen zu können, haben wir uns zusammen mit dem Verein "Kleine Herzen Hannover" zur Aufgabe gemacht, ein Kriseninterventionsnetzwerk aufzubauen. Dieser Aufgabe sind wir schon seit mehreren Jahren erfolgreich verpflichtet und der Verein wurde für sein Engagement in diesem Bereich schon mehrfach ausgezeichnet.
Download des Informations-Flyers "Krisenbegleiter im Krankenhaus" (PDF)
Zielgruppe & Kursinhalte
Die Qualifizierung richtet sich an sozial kompetente Fachpersonen mit psychologischer, seelsorgerlicher oder medizinischer Profession (z. B. Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachpersonen, Therapeutinnen und Therapeuten sowie weitere Berufsgruppen) im Kontext der intensivmedizinischen, kardiologischen, onkologischen oder psychosomatischen Versorgung von Kindern.
Lernziele
Die Teilnehmenden erwerben im Rahmen der Kurse die Kompetenz, Eltern und Angehörige schwerkranker, schwerverletzter oder verstorbener Kinder wertschätzend, stabilisierend und traumasensibel psychosozial zu begleiten. Sie lernen, Belastungsreaktionen zu verstehen, Sicherheit und Orientierung zu vermitteln, Ressourcen zu stärken und Betroffene in akuten sowie anhaltenden Krisensituationen professionell zu unterstützen – ohne therapeutische oder diagnostische Rollen zu übernehmen.
Lerninhalte
1. Psychische Belastungs- und Stressfaktoren bei Eltern und Angehörigen
- Typische psychische Belastungen in Ausnahmesituationen rund um schwere Erkrankung, Verletzung oder Tod eines Kindes
- Gefühle von Ohnmacht, Kontrollverlust, Angst, Schuld und existenzieller Bedrohung
- Einfluss von Beziehung, Bindung, Biografie, Kultur und sozialem Umfeld
- Schutzfaktoren und Ressourcen im familiären und sozialen System
2. Belastungs- und Trauerreaktionen
- Normale Reaktionen auf extreme Belastung und Verlust
- Akute Belastungs- uns Stressreaktionen und anhaltende Belastungszustände
- Unterschiedliche Formen von Trauer und individuelle Trauerverläufe
- Verständnis für die Vielfalt „gesunder“ Reaktionen ohne Bewertung oder Pathologisierung
- Wahrnehmung von Belastungsgrenzen und Wissen um weiterführende Unterstützungsangebote
3. Psychosoziale Begleitung in der Krise
- Grundhaltungen und Prinzipien traumasensibler Begleitung
- Sicherheit, Orientierung und emotionale Stabilisierung vermitteln
- Erkennen von Bedürfnissen, Ressourcen und aktuellen Belastungen
- Stärkung von Bewältigungsmöglichkeiten (Coping, Selbstwirksamkeit, Halt)
- Unterstützung in akuten Situationen
4. Kommunikation und Gesprächsführung in Krisensituationen
- Grundlagen wertschätzender, empathischer und kongruenter Kommunikation
- Voraussetzungen gelingender Gespräche in emotionalen Ausnahmesituationen
- Strukturierte Gesprächsführung in Krisen und bei belastenden Themen
- Aktives Zuhören
- Umgang mit Schweigen, starken Emotionen, Verzweiflung und Ambivalenz
5. Selbstschutz, Psychohygiene und professionelle Rolle
- Selbstschutz und Abgrenzung in der Begleitung hochbelasteter Familien
- Umgang mit eigener Betroffenheit, Ohnmacht und emotionaler Nähe
- Stresskompetenz und Stabilisierung im Arbeitsalltag
- Zentrale Schutzfaktoren psychosozialer Gesundheit
- Reflexion der eigenen Rolle, Haltung und Grenzen in der Begleitung
Termine 2026
Es werden Grundkurse und Folgekurse angeboten. Voraussetzung für das Erlangen des offiziellen Zertifikats für die Qualifikation zum Krisenbegleiter ist die Teilnahme an einem Grundkurs und zwei Folgekursen.
Grundkurs 45: 16.04.26 – 19.04.26
Grundkurs 46: 10.06.26 – 13.06.26
Grundkurs 47: 29.09.26 – 02.10.26
Grundkurs 48: 25.11.26 – 28.11.26
Die folgenden Fortbildungen richten sich an Absolventinnen und Absolventen der Ausbildung zur Krisenbegleitung im Krankenhaus. Die Fortbildungen setzen die Grundqualifikation voraus und vertiefen diese durch thematische Schwerpunkte, die sich an der Praxis der psychosozialen Begleitung orientieren. Ziel der Fortbildungen ist es, die eigene Handlungskompetenz in der Begleitung weiter auszubauen, Erfahrungen aus der Praxis zu reflektieren und die eigene professionelle Haltung zu stärken. In 2026 gibt es folgende Themenschwerpunkte:
Krisenbegleitung in Konfliktsituationen
- Grundlagen der Konfliktmoderation im psychosozialen Kontext
- Gesprächsführung in konflikthaften und emotional angespannten Situationen
- Deeskalierende Kommunikation
Krisenbegleitung im interkulturellen Kontext
- Unterschiedliche Vorstellungen von Krankheit, Leid und Tod
- Erwartungen von Familien an Ärztinnen, Ärzte und Pflegepersonal in verschiedenen kulturellen Kontexten
- Gesprächsführung in Krisensituationen unter Berücksichtigung interkultureller Sensibilität
Selbstschutz und Psychohygiene
- Salutogenese und die Frage nach dem Erhalt der eigenen Gesundheit
- Instrumentelle, mentale und regenerative Ansätze des Selbstschutzes
- Förderung und Training der eigenen Resilienz im Arbeitsalltag
Krisenbegleitung in besonderen Familienkonstellationen
- Begleitende Gesprächsführung bei der Übermittlung belastender Nachrichten
- Gesprächsführung in konflikthaften Familiensituationen
- Gesprächsführung mit (Geschwister-)Kindern in Krisen- und Belastungssituationen
Termine der Fortbildungen
Fortbildung 45: 08.06. – 09.06.26 Krisenbegleitung in Konfliktsituationen
Fortbildung 46: 19.06. – 20.06.26 Krisenbegleitung im interkulturellen Kontext
Fortbildung 47: 06.10. – 07.10.26 Krisenbegleitung in besonderen Familienkonstellationen
Fortbildung 48: 23.11. – 24.11.26 Selbstschutz & Psychohygiene
Organisation des Kurses
Seit 2020 kann ein offizielles Zertifikat für die Qualifikation zum Krisenbegleiter ausgestellt werden. Nach den Vorgaben der deutschen Konsensuskonferenz zur Krisenbegleitung ist dafür eine Ausbildung von 80 Stunden verbindlich. Dies kann durch die Teilnahme am Grundkurs und zwei 2-tägigen Folgekursen erreicht werden. Die Teilnahme am Grundkurs oder den Folgekursen kann aber selbstverständlich auch ohne das Ziel der Erlangung des Zertifikats erfolgen. Teilnehmer die in der Vergangenheit bereits einen Grundkurs und/oder Folgekurse absolviert haben, können das Zertifikat ebenfalls erwerben. Ihre bereits geleisteten Fortbildungen zum Krisenbegleiter werden angerechnet.
Teilnahmegebühr
Die Kosten für den Krisenbegleitergrundkurs für jeden Kursteilnehmer in Höhe von € 950,00/ €490,00 für die Aufbaukurse werden vom Verein „Kleine Herzen Hannover e.V.“ getragen.
Ihnen entsteht lediglich ein Eigenanteil/Teilnahmegebühr von € 50,00 in dem ein kleiner Snack und Getränke inbegriffen sind, wenn Sie aus einer Klinik des pädiatrischen Intensivnetzwerks teilnehmen. Ansonsten liegt der Eigenanteil bei € 200,00 beim Grundkurs und €100,00 bei den Aufbaukursen.
Die Anmeldung kann hier vorgenommen werden (externer Link zu eveeno.com/krisenbegleitung).